Ein Jahr

23 Okt

Heute vor genau einem Jahr war es so weit. Ich stand früh morgens vor der alten Wohnung mit einem Kater im Schlepptau und den restlichen Habseligkeiten. Es war dunkel und kalt. Mein Vater stand neben mir. Drückte mich so fest, wie er mich noch nie gedrückt hatte, bevor ich ins Auto stieg. Er weinte. Ich fühlte gar nichts. Es sollte das letzte Mal sein, dass ich ihn sehe. Zu dem Zeitpunkt wusste ich es nicht besser.

 

Einen Tag davor ging es mir so. Nachdem wir dann ankamen fühlte ich mich so.

 

Jetzt nach einem Jahr fühle ich mich gut. Es ist viel passiert in dem einen Jahr. So viel, dass ich zurückblicken muss um das Ganze überhaupt zu verstehen. Wieviel sich doch verändert hat, wie sehr ich mich doch verändert habe.

 

Geweint wurde in diesem einen Jahr. Sehr viel davon. Meistens weinte ich. Manchmal aber auch die anderen. Ich verliebte mich. Bin immer noch im rosa-Wolken-Modus und wir blasen uns gegenseitig Puderzucker in den Allerwertesten. Viel Pizza wurde bestellt in der Zeit. Ben & Jerrys wurde ein Synonym für „Mir geht es nicht gut, ich leide.“. Wir waren kein einziges Mal im Theater obwohl wir unbedingt die Kultur einer Großstadt genießen wollten. Aber es ist geplant. Zwei Konzerte wurden besucht, die eine Band wird vermisst. Meistens mehr und manchmal weniger. Neue Jobs für Lela. Eine neue Mitbewohnerin gefunden. Neue Menschen getroffen, gesehen, gemocht, für doof befunden. Einige Male in der falschen Bahn gesessen. Die Elbe bestaunt und sich immer wieder gefreut. Nur einmal war ich in der Zeit in der alten Heimat. Nur die Familie dort getroffen weil alles andere wäre zu viel gewesen. Dort alte Orte besucht, dem neuen Menschen in meinem Leben gezeigt und irgendwie fühlte es sich seltsam an die Vergangenheit so zu teilen. Einige Kilo zugenommen. Viel Wein getrunken. Neue Rituale. Immer noch dauerpleite aber glücklicher dabei. Zumindest ich. Die Vorteile einer Großstadt zu schätzen gelernt und sich in Kleinigkeiten verliebt. Oft die Kamera gezückt um die Eindrücke festzuhalten.

 

So viel mehr ist passiert. Die Summe aller Kleinigkeiten ergibt ein Jahr. Ein Jahr in dem ich endlich das Gefühl habe angekommen zu sein. Noch so viel mehr habe ich vor mir und so viel mehr muss einfach noch passieren. Aber bis dahin werde ich genau das machen was man an so einem Sonntag machen soll. Sitzen, Kaffee trinken, die Sonne angrinsen und irgendwann das Bad putzen, weil laut Putzplan, ist das diese Woche meine Aufgabe.

 

[Papa, ich hoffe du bist immer noch stolz auf mich. Mama, wenn er nervt, hau ihm eine rein. Eure Tochter macht das. Hat sie doch immer. Und jetzt macht sie es gerade sehr gut.]

Mitbewohner gesucht

6 Aug

Liebes Internet,

heute suchen wir keine Wohnung für einen Freund von einem Freund der einen Freund kennt sondern bieten ein Zimmer in einer Wohnung an.

Kurz ein paar Eckdaten:

WIR das sind Lela und ich (Bracka).

Ab dem 01.12.2011 wird ein Zimmer in unserer Dreier-WG frei.

Gewohnt wird in Harburg im dritten Stockwerk ohne Aufzug. Weitere Mitbewohner sind zwei Katzen.

S-Bahn-Station ist zu Fuß hervorragend zu erreichen.

Mietkosten setzen sich zusammen aus der wohlbekannten Miete, den Nebenkosten, Kosten für Telefon und Internet, SKY-Anschluss und einer Beteiligung an der von uns abgeschlossenen Hausratversicherung. (ca. 300 Euro insgesamt / wird sich noch ändern, da wir einen Telefonanbieterwechsel planen).

Wohnung ist ca. 75 qm groß und das zu vermietende Zimmer 15 qm. Die Wohnung ist in einer ruhigen Lage. Der Rest der Wohnung setzt sich zusammen aus einem Bad mit Badewanne, einer Küche, unseren beiden Zimmern und einem Wohnzimmer.

Wichtig sind uns Zuverlässigkeit was Mietzahlungen und dem Einhalten des Putzplans anbelangt. Alle anderen Rahmenbedingungen wie Besuch, welche Gemeinschaftskosten kommen zusätzlich zu den monatlichen Ausgaben, etc,  können wir gerne klären, wenn du zur Wohnungsbesichtung kommst.


Ab dem 01. September würden wir dich gerne empfangen für einen ersten Eindruck. Wer also Interesse hat oder wen kennt der händeringend eine Wohnung sucht, darf sich gerne per Mail an mich (brbrlala@googlemail.com) oder Lela (lelaaa@gmx.de) wenden.

Jan allein in HH

5 Jul

„Als Selbstständiger hat man es ja soooooo leicht. Man kann sich seine Arbeitszeit einteilen und man kann machen was man will, weil man ist ja sein eigener Chef.“

 

Könnte man behaupten. Wenn es nicht anders wäre. So manche Nachteile zieht so eine berufliche Selbstständigkeit nach sich. Sie beginnt beim Versuch Ware via Raten zu erstehen und endet bei so Dingen wie der Wohnungssuche. Woher ich das weiß? Ich darf zumindest das mit der Wohnungssuche live miterleben.

 

Der allerguteste Freund des Kerls arbeitet auf selbstständiger Basis. Ist an sich etwas Gutes. Er arbeitet sehr viel und das macht er gut. Nun tut er dieses nicht mehr in seinem Heimatort sondern hier in dem wunderschönen Hamburg.

 

Und die momentane Wohnsituation sieht aus wie folgt: Zweizimmerwohnung, zwei Kerle. Die Couch ist sein Bett, der Koffer ist sein Kleiderschrank. Nach einigen Monaten der vergeblichen Suche sollte auch er endlich mal ein kleines Heimatgefühl in der Hansestadt entwickeln. Doch das geht nicht, wenn man nicht im eigenen Bett aufwacht, wenn die Bilder an den Wänden nicht die eigenen sind und wenn die Zahnbürste in einem Kulturbeutel parkt.

 

Und hier kommt ihr ins Spiel. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Social Media funktioniert. Ich wohne in dieser Erfahrung seit Ende Oktober.

 

Wir suchen hiermit händeringend eine WOHNUNG!

 

Für die Faktenfanatiker unter euch:

 

Es wird gesucht eine Zweizimmerwohnung.

Örtlichkeit: Rahlstedt oder der Norden Hamburgs

Preisliche Vorstellung: max. 550 € warm

 

Also. Jeder kennt doch jeden und irgendwer kennt doch immer irgendwen. Also zeigt mir eure Liebe für einen Mann der macht, dass Musiker auf der Bühne machen können, wofür sie geboren wurden (bis auf manche musikalischen Ausfallerscheinungen).

 

Wer was weiß, wen kennt, noch Fragen hat oder selber einen Nachmieter sucht möge eine Mail schreiben an jan.allein.in.hh@googlemail.com

 

SPREAD THE WORD!!!!

Schlaraffenland

20 Jun

Ich zähle die Tage bis es endlich ein Jahr wird. Ein Jahr in der großen Stadt. Ein Jahr voller NEU und doch dem gutem Altbewährten. Immer noch kein Bedürfnis die Heimat zu besuchen. Ich habe hier genau das was ich brauche. Manchmal sogar zu viel davon, sodass ich übersättigt die Tage verschlafe und mich frage ob ich nicht besseres hätte anfangen können mit den vielen traumstarken Stunden.

 

Fotografiere alles. Jede noch so kleine Ecke fällt mir auf und ich halte es verwackelt fest. Viel zu viel vorgenommen hatte ich mir. Wollte mehr sehen. Wir wollten Kunst und Kultur und eigentlich sind wir einfach nur ganz oft pleite. Da reicht es für ein bisschen Wodka und den China-Mann, der die silbernen Schalen zu voll macht.

 

Ich sagte immer ich würde mir all das Tolle ansehen, wenn ich mich eingelebt habe. Jetzt habe ich mich so sehr eingelebt, sodass mir manchmal die Energie fehlt den wohlig gewärmten Arsch von der Couch hochzubewegen.

 

Ein paar Ängste treiben mich an, besonders die Tage. Verlustängste, die ich so noch nie kannte. Beide Menschen will ich nicht verlieren die mein Lebensmittelpunkt sind.

 

Mein Leben ist gut hier. Kein Schlaraffenland in dem mir die Brathähnchen in den geöffneten Mund fliegen. Aber zumindest kann ich mir ab und an eine Puddingorgie leisten. Alles andere macht doch sowieso nur fett.

Hamburg ist…

29 Mai

Hamburg ist…

Zum Frühstück Pizzabrötchen mit Tunk Tunk essen und sich fragen, wieso der Mist überhaupt so heißt und warum es hier Currywurst-Pizza gibt.

Möwenscheiße am Fenster.

Gedanken die fließen und nicht mehr aufmüpfig gegen alles wettern was bei drei nicht auf dem Baum ist.

Versöhnung mit den eigenen Schwächen und das Entdecken von neuen Stärken.

Plötzliche Kommunikationsmöglichkeiten. Die Ecke, in der ich mich immer versteckte, ist bockig und nimmt mich sicher so schnell nicht wieder zurück.

Ankommen. Physisch wie psychisch.

Über den eigenen Schatten springen und dabei fröhlich summen.

Zerzauste Sturmwindhaare.

Die Zukunft mit anderen Augen sehen und erschrocken feststellen, dass es die selben Augen sind nur ein anderer Blickwinkel.

Menschen schlagen wollen, die sich in der Bahn nicht ans Fenster setzen und man ihnen dann mit dem Arsch den Mund abwischt.

Überteuert.

Hardcore der sich mit Dubstep mischt um die Seele zusammenzuhalten.

Dauerpleitezustand.

Mit dem Kickroller durch fremde Bürogebäude flitzen.

Altes vermissen und sich über kleine Erinnerungsfetzen freuen.

Der Kater der immer fetter wird.

Mit dem Regenschirm auf dem Balkon sitzen und dem Regen beim platschen zusehen.

Gefühle die ich für dich töten möchte es aber nicht kann weil es mir nicht zusteht.

Das alles ist Hamburg. Das sind wir. Wir sind Hamburg.

Springtime

19 Apr

Der Frühling. Man kann ihn sehen und riechen und fühlen und schmecken. In manchen Straßen riecht es nach Wassermelone und die Blumen penetrieren meinen Geruchssinn. Wollen meine Aufmerksamkeit. Der erste Frühling in Hamburg und der erste Frühling den ich nicht nur herbeigesehnt habe weil es bedeutet, dass der Winter endlich die Fresse hält.

Ich will so vieles sehen hier. Will, dass mir Hamburg und Umgebung endlich zeigt was es wirklich zu bieten hat und ob es sich gelohnt hat, so viele Kilometer von zu Hause wegzugehen.

Ich gehe spazieren, setze mich auf Wiesen, in Cafes und sehe der Stadt beim Leben zu. Dinge, die ich vorher nie getan hätte. Da gab es mich und mein Zimmer. Meine kleine Welt deren Dauerton ein Klappern der Tastatur war. Nun höre ich die Bahn wie sie an der Haltestelle einfährt und mich an Orte bringt, die ich entdecken möchte. Nicht nur stumpf abhaken auf einer Liste sondern bewundern und festhalten mit allen Sinnen die mir zur Verfügung stehen.

Lela ist momentan auf heimatlichen Abwegen. Sie fehlt hier. Mehr als ich je gedacht hätte. Denn unser Hamburg wird so zu einem Hamburg das ich so nicht kenne. Weil sie nicht greifbar ist. Ich habe nicht das Bedürfnis den Bayerischen Wald zu besuchen. Nicht weil ich die wenigen Menschen die ich dort zurückgelassen habe, nicht vermissen würde. In schwachen Momenten tu ich es mehr als mir lieb ist. Aber so viel Neues wartet auf mich und ich merke immer mehr, dass diese vermeintliche Heimat nie meine Heimat war. Hamburg mausert sich immer mehr zu einem Ort der dem was man Heimat nennen könnte, nahe kommt.

Vielleicht ist es aber auch nur die allumfassende Zufriedenheit. Der Stolz den ich immer noch in mir trage, weil wir es gewagt haben. Das Entdecken und für gut Befinden von Dingen die ich so zum ersten Mal erlebe. Ich fühle mich angekommen. Als hätte man jahrelang auf mich gewartet, den Kaffee immer wieder neu aufgebrüht und den Kuchen luftdicht verpackt, um mir ein herzliches Willkommen zu bescheren.

Am Teich

8 Mrz

Die ersten Sonnenstrahlen, die von der echten Sorte die das Gesicht und das Herz gleichermaßen wärmen, fallen vom Himmel genau in ein Grinsen hinein. Du willst raus, willst Eis, willst es sofort und unbedingt. Es ist Sonntag und plötzlich flanierst du am Harburger Außenmühlenteich, sitzt auf einer Bank, isst deine zwei Kugeln Eis, frierst aber bist glücklich weil es genau das ist was du wolltest. Der Sonne beim Scheinen zugucken und grinsend dem Leben entgegen blicken ohne Scheu und Sorge.

 

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