Heute vor genau einem Jahr war es so weit. Ich stand früh morgens vor der alten Wohnung mit einem Kater im Schlepptau und den restlichen Habseligkeiten. Es war dunkel und kalt. Mein Vater stand neben mir. Drückte mich so fest, wie er mich noch nie gedrückt hatte, bevor ich ins Auto stieg. Er weinte. Ich fühlte gar nichts. Es sollte das letzte Mal sein, dass ich ihn sehe. Zu dem Zeitpunkt wusste ich es nicht besser.
Einen Tag davor ging es mir so. Nachdem wir dann ankamen fühlte ich mich so.
Jetzt nach einem Jahr fühle ich mich gut. Es ist viel passiert in dem einen Jahr. So viel, dass ich zurückblicken muss um das Ganze überhaupt zu verstehen. Wieviel sich doch verändert hat, wie sehr ich mich doch verändert habe.
Geweint wurde in diesem einen Jahr. Sehr viel davon. Meistens weinte ich. Manchmal aber auch die anderen. Ich verliebte mich. Bin immer noch im rosa-Wolken-Modus und wir blasen uns gegenseitig Puderzucker in den Allerwertesten. Viel Pizza wurde bestellt in der Zeit. Ben & Jerrys wurde ein Synonym für „Mir geht es nicht gut, ich leide.“. Wir waren kein einziges Mal im Theater obwohl wir unbedingt die Kultur einer Großstadt genießen wollten. Aber es ist geplant. Zwei Konzerte wurden besucht, die eine Band wird vermisst. Meistens mehr und manchmal weniger. Neue Jobs für Lela. Eine neue Mitbewohnerin gefunden. Neue Menschen getroffen, gesehen, gemocht, für doof befunden. Einige Male in der falschen Bahn gesessen. Die Elbe bestaunt und sich immer wieder gefreut. Nur einmal war ich in der Zeit in der alten Heimat. Nur die Familie dort getroffen weil alles andere wäre zu viel gewesen. Dort alte Orte besucht, dem neuen Menschen in meinem Leben gezeigt und irgendwie fühlte es sich seltsam an die Vergangenheit so zu teilen. Einige Kilo zugenommen. Viel Wein getrunken. Neue Rituale. Immer noch dauerpleite aber glücklicher dabei. Zumindest ich. Die Vorteile einer Großstadt zu schätzen gelernt und sich in Kleinigkeiten verliebt. Oft die Kamera gezückt um die Eindrücke festzuhalten.
So viel mehr ist passiert. Die Summe aller Kleinigkeiten ergibt ein Jahr. Ein Jahr in dem ich endlich das Gefühl habe angekommen zu sein. Noch so viel mehr habe ich vor mir und so viel mehr muss einfach noch passieren. Aber bis dahin werde ich genau das machen was man an so einem Sonntag machen soll. Sitzen, Kaffee trinken, die Sonne angrinsen und irgendwann das Bad putzen, weil laut Putzplan, ist das diese Woche meine Aufgabe.
[Papa, ich hoffe du bist immer noch stolz auf mich. Mama, wenn er nervt, hau ihm eine rein. Eure Tochter macht das. Hat sie doch immer. Und jetzt macht sie es gerade sehr gut.]















